Der Begriff

... "funktionaler Analphabetismus" beschreibt erwachsene Menschen, die in ihrer Schulzeit durchaus Lesen und Schreiben gelernt haben. Ihre schriftsprachlichen Kenntnisse reichen aber nicht aus, um in unserer Gesellschaft zu bestehen. So können viele Betroffene kurze Sätze oder einfache Texte durchaus lesend erschließen. Es fällt ihnen aber schwer, etwas selbst zu schreiben. Manchen Betroffenen gelingt dies gar nicht.

Was bedeutet das für den Einzelnen?

Probleme beim Lesen und Schreiben können die betroffenen Menschen in allen Lebensbereichen einschränken. Die individuellen Auswirkungen sind abhängig von ihrer konkreten Lebenssituation.

Häufige Probleme sind:

  • Sie sind abhängig von Beziehungspartnern oder Vertrauenspersonen.
  • Ihre Mobilität ist eingeschränkt, sowohl im Individual- als auch öffentlichen Verkehr.
  • Es gibt Probleme im Umgang mit Ämtern oder Behörden.
  • Die Möglichkeiten, Informationen zu erhalten, sind begrenzt.
  • Sie haben gesundheitliche Risiken, weil sie z.B. Beipackzettel zu Medikamenten oder Formulare beim Arzt nicht lesen können.

Auch im Erwerbsleben treten Probleme auf:

  • Sie haben Schwierigkeiten beim Lesen und Verstehen des Arbeitsvertrages.
  • Sie können Arbeitsanweisungen nicht lesen und befolgen.
  • Sie können ihre eigenen Rechte nicht oder nur eingeschränkt wahrnehmen.

Wie viele Menschen sind betroffen?

Die „Leo.Level one" – Studie ermittelte 2011 in Deutschland 7,5 Millionen betroffene erwachsene Menschen.

Dies unterstreicht die Notwendigkeit, in der Öffentlichkeit über dieses vermeintliche Tabu-Thema zu sprechen - zwingend sind Information und Aufklärung. Betroffene Menschen sollten von den vorhandenen Hilfsmöglichkeiten erfahren.

Dafür bedarf es der Unterstützung und Hilfe von Familienangehörigen, Freunden, Kollegen, Arbeitgebern und von anderen Personen in ihrem Umfeld, denn Lesen und Schreiben ist so wichtig wie das tägliche Brot!